Nachwuchsprojekt mit Leuchtkraft

Der Bezirksverein engagiert sich in der Wuppertaler Junior Uni, einer bundesweit einmaligen naturwissenschaftlich- technischen Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche.

Maria Bargenda

Die Wuppertaler Junior Uni platzt im dritten Jahr seit ihrer Gründung aus allen Nähten. 90 % der mehr als 2000 naturwissenschaftlichen Kurse für Kinder und Jugendliche von vier bis 18 Jahren, die zum Sommersemester 2011 angeboten werden, waren kurz nach Beginn der Anmeldefrist im Februar bereits ausgebucht.
Einer der vielen Kooperationspartner der privaten Initiative Junior Uni, die sich durch das Engagement von Wuppertaler Stiftungen, Firmen und Privatleuten trägt, ist der Bergische Bezirksverein des VDI. Bereits im zweiten Semester unterrichtet der Leiter des Arbeitskreises Entwicklung Konstruktion und Vertrieb, Horst Appelt, Jugendliche im konventionellen technischen Zeichnen mit Bleistift, Winkeln und Zirkeln. Der dritte Kurs ist ab April geplant.
Tobias Gebracht und Leon Fasler, beide 13, wollen Maschinenbauingenieure werden und sind froh, im Kurs der Junior Uni grundlegende Techniken ausprobieren und sich informieren zu können, was im Studium auf sie zukommt. Mario Müller strebt ein Architekturstudium an, Daniel Schmahls Berufswunsch ist Schreiner. Die beiden 16-Jährigen profitieren von dem Angebot und fühlen sich gut vorbereitet auf die bevorstehenden Ausbildungen.

Um den Jugendlichen ein „lebendes Beispiel“ zu bieten, hat Appelt zur fünften Sitzung des sechsteiligen Kurses Maria Bargenda eingeladen, Azubi als technische Zeichnerin im Konstruktionsbüro der Maschinenbaukooperation Wuppertal. Ihre Aufgabe ist es, eine Einführung in die CAD-Konstruktion zu geben und von den Erfahrungen in ihrem dreieinhalbjährigen Ausbildungsgang zu berichten.
„Zeichnen per Hand wird nur noch in der Ausbildung gefordert, in der Praxis ist der Arbeitsplatz am Computer“, so die 21-Jährige in ihrem professionell vorbereiteten Vortrag. Naturwissenschaftliches und mathematisches Interesse, dreidimensionales Vorstellungsvermögen, kreatives Verständnis und Teamfähigkeit seien die Grundvoraussetzungen, die man für den Beruf benötigt. Bargenda:„Ich rate dazu, sich um eine Praktikumsstelle in dem gewünschten Betrieb zu bemühen. Bei mir führte das direkt zum Ausbildungsplatz.“
Während die Jugendlichen die ersten Versuche mit einem CAD-Programm machen und die Aufgabe bekommen, einen Würfel zu konstruieren, geht Horst Appelt herum, beantwortet Fragen, gibt Tipps und Anregungen. Für ihn steht das Engagement in der Junior Uni in engem Zusammenhang mit seiner Tätigkeit im Bergischen Schultechnikum BeST und für die VDI-Nachwuchsinitiative VDIni.
„Der Bergische BV plant, für VDIni- Mitglieder die Kursgebühren für die Junior Uni zu sponsern, die im Übrigen mit 5 € bis 10 € sehr gering sind. Unser Bestreben ist es, alle Bemühungen zur Förderung des technischen Nachwuchses so gut wie möglich zu vernetzen.“
Dass Wuppertal mit der Junior Uni auf der richtigen Spur ist, beweist nicht nur die wachsende Nachfrage nach den Kursen, sondern auch das große Engagement von Wuppertaler Unternehmen und Privatleuten, die sowohl Geld als auch Fachleute als Dozenten zur Verfügung stellen.
Diese erklären den Kindern, wie es auf der Homepage der Junior Uni heißt, „kompetent, respektvoll und freundlich die Welt und ihre naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten – mit spannenden Experimenten und frei von Noten und Leistungsdruck“.
Inzwischen wurde, wie die Pressesprecherin der Junior Uni, Ina Krumsieck, erklärt, ein Studienbuch eingeführt, in dem die in Kursen erworbenen Zertifikate dokumentiert werden. „Das bringt Vorteile bei der Suche nach Ausbildungs- und Praktikumsplätzen. Es wurde mit den entsprechenden Stellen, zum Beispiel der IHK, abgestimmt.“
Kummer bereitet den Initiatoren lediglich die ungelöste Standortfrage des bisher noch in einem Provisorium untergebrachten pädagogischen Leuchtturmprojektes. „Wir benötigen dringend spezifische Räume, und zwar möglichst direkt an der Wupper, wo wir bei gutem Wetter auch im Freien Kurse zur Bedeutung der Kostbarkeit Wasser und zum Schutz von Natur und Umwelt anbieten können“, erklärt Ernst Andreas Ziegler, Ideengeber und Vorsitzender der Geschäftsführung der Junior Uni. „Außerdem ist ein Leuchtturm nur dann von Dauer, wenn man ihn auch sieht.“

Quelle: VDI nachrichten, 08. April 2011, Nr. 14, Seite 29

zurück